Besetzung war ein deutliches Zeichen gegen diesen Wahnsinn auf dem Rosenheimer Wohnungsmarkt

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In der Nacht von Mittwoch, den 12. April, auf Donnerstag besetzten drei Aktivist*innen das seit Jahren leerstehende ehemalige Hotel „Goldener Hirsch“ in der Münchner Straße in Rosenheim. Das Gebäude war einmal das Hotel in bester innerstädtischer Lage, seit Jahren ist es ungenutzt und verkommt zu einem der prominentesten Schandflecke Rosenheims.

Noch letztes Jahr ließ die Stadt verlautbaren, in Rosenheim gebe es keinen Leerstand – offenbar besseren Wissens. Schon die nachgereichte Rechtfertigung machte dies deutlich, dass es ohnehin nicht die Aufgabe der Stadt sei, sich mit dem Thema Leerstand zu befassen. Selbstverständlich ist es die zentrale Aufgabe von Oberbürgermeister und Co., eine Stadt für die Bewohner*innen wohnbar und attraktiv zu gestalten. Diese Aufgabe wird wohl nicht nur nicht verstanden, sondern immer wieder konterkariert: In unmittelbarer Nachbarschaft zum leerstehenden Hotel entstehen gegenwärtig Penthouse-Wohnungen, die zum Stückpreis von 1,6 Millionen Euro zum Kauf angeboten werden. Dieser Luxus für wenige lässt Rosenheim für die Mehrheit unbezahlbar werden.

Die Besetzung war ein deutliches Zeichen gegen diesen Wahnsinn auf dem Rosenheimer Wohnungsmarkt. Denn schon längst sind Single-Haushalte, Familien und ältere Menschen von den explodierenden Mieten überfordert und können sich einen Umzug schlichtweg nicht leisten, da besonders bei Neuvermietungen Mondpreise verlangt werden.
Auch im Hinblick auf den Beitritt zum MVV Ende des Jahres ist nicht zu erwarten, dass sich der Wohnungsmarkt in Rosenheim entspannen wird. Zudem rechnet die Staatsregierung mit einem stetigen Bevölkerungszuwachs in der Stadt Rosenheim. Der private Bausektor ist vor allem interessiert, im gehobenen und Luxussegment zu investieren, Wohnungen für ganz normale Rosenheimer sind schlicht nicht so lukrativ wie Penthouse-Wohnungen mit Dachterrasse und Glasfronten.

Andere Städte in Bayern machen es vor: Sowohl Nürnberg, Erlangen, Fürth als auch München haben Zweckentfremdungssatzungen beschlossen. Diese sind noch ausbaufähig aber immerhin: In Verbindung mit einem Leerstandsmanagement, wie es die Stadt Augsburg nutzt, hätte auch die Stadt Rosenheim die Chance, dem Leerstand den Kampf anzusagen. Denn eins ist doch klar: die Innenstadt muss für die Menschen da sein und nicht für Immobilienbesitzer, die Gebäude so lange ungenutzt lassen, bis sie einen Verkaufspreis erzielen können, der in Ihren Investitionsplan passt.